Fachbücher

"Erneuerbare Energien"

Mit neuer Energie in die Zukunft (Sven Geitmann/Hydrogeit)

Fachbücher über Erneuere Energien haben häufig den Nachteil, das sich Inhalte und Zahlen schnell überholen können. Das hängt mit veränderten Gesetzeslagen oder neuen Entwicklungen auf dem Markt oder bei Technologien zusammen. Das neue Buch von Sven Geitmann kann natürlich ebenfalls keinen Anspruch auf Ewigkeit anmelden, doch der Autor versteht es, eine recht aktuelle und vor allem umfassende Standortbestimmung der regenerativen Energien zu geben. Und der Wirkungsgrad dieser Lektüre wird sich nicht morgen entscheidend reduziert haben.
Einem gut strukturierten Aufbau folgend, gibt Geitmann einen Überblick über die die Thematik und erklärt gleichzeitig Technologien nicht nur für Fachidioten. Zusammenhänge werden - untermauert durch Grafiken und Statistiken - sachlich dargestellt und das wichtige Thema Effizienz, Energiemix und Dezentralisierung berücksichtigt. Das Buch ist in verständlicher Sprache formuliert. Was angenehm ist: der Autor hebt nicht warnend oder besserwissend ständig den Zeigefinger, oder kaschiert Argumente unter einem rein ideologischen Deckmantel. Hier und da wäre etwas mehr Meinung aber nicht störend gewesen. Insgesamt ein gelungener, sachlicher Überblick über alternative Energien. Zwar kann auch Geitmann die saubere Zukunft nicht neu erfinden bzw. eigene, innovative Lösungen anbieten, doch mit dieser Erwartung an ein solches Buch zu gehen, dessen Informationsgehalt im Vordergrund steht, wäre ohnehin falsch.02/2010

"Der grüne Betrug"

Der grüne Betrug. Wie echter Klimaschutz zwischen Tagespolitik und Lobbyismus auf der Strecke bleibt (Martin Gerth/Redline)


Es ist keine Frage, dass Martin Gerth mit seinem Background als Wirtschaftsjournalist und einem offensichtlichen Faible für Umweltfragen das Zeug hat, dieses tonnenschwere Thema anzupacken. Und eines vorneweg: es ist ihm gut gelungen. Der Titel "der grüne Betrug" mag zunächst suggerieren, dass es um Machenschaften der Branche geht, die unter dem Deckmantel Umweltschutz ihr Unwesen treibt. Doch schnell wird klar, dass Gerth viel mehr meint. Er blickt hinter die Kulissen der Klimadiskussionen. Was wir dort sehen, ist ein Sammelsurium politischer und wirtschaftlicher Interessen, die mal mehr und mal weniger ideologisch, mal mehr und mal weniger lobbyistisch, mal lokal und mal global geprägt sind. Darin zeigt sich das ganze Dilemma, das in Deutschland, aber eigentlich weltweit den Klimaschutz begleitet. Es wird viel getan, aber möglichst zum jeweils eigenen Nutzen.
"Manipulierte" Studien, Kampf um Förderungen, faule Kompromisse: es wird taktiert, was das Zeug hält. Gerth stützt seine Thesen durch zahlreiche Beispiele aus seinem reichhaltigen Fundus und blickt häufig über den nationalen Tellerrand hinaus. Dass er den Gipfel von Kopenhagen mehrfach erwähnt, dieser bei Erscheinen des Buches allerdings ergebnislos zu Ende gegangen ist, stört beim Lesen, ändert faktisch aber nichts an der Problematik.
Wer sich mit "grünen Themen" auseinandersetzt, kennt viele Inhalte, doch in der geballten Form schafft es Gerth, den Finger in die Wunde zu legen und zu entlarven. Das Schlimme ist: Politik läuft leider oft so ab und das Buch ließe sich in andere Lobby-Wirtschaftszweige (Auto, Chemie) übersetzen. Etwas nachteilig sind die zahlreichen Wiederholungen, aber das lässt sich wohl nur schwer vermeiden, wenn man die gleiche Sache immer wieder aus mehreren Blickwinkeln betrachtet.
Der Abschnitt "pragmatische Lösungen" rundet die gute, sachliche Aufarbeitung ab. Gerth, kein Weltverbesserer, sondern ausgestattet mit kritischem Realismus und mit einem wohltuenden globalem Ansatz, bringt Beispiele, wie die festgefahrene Karre aus dem Dreck gezogen werden könnte. Nicht alles neu und bestimmt nicht alles umsetzbar, aber der Autor zeigt auf, dass das Thema Klimaschutz angepackt werden kann und muss, allerdings nicht gelenkt durch unverbesserlichen Egoismus. In einem wichtigen Punkt will der Verfasser dieser Zeilen Gerth aber definitiv nicht zustimmen: die von den Energieriesen wie Vattenfall angestrebte Lösung CSS-Technik führt nach Meinung des Rezensenten in die falsche Richtung. Es wäre ein kleiner grüner Betrug mehr, hier den politischen Weg frei zu machen.
 


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